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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 01.04.2025 um 12:14 Uhr

Grand Finale steht bevor, abwarten, ruhig bleiben, Chancen sind in Sicht

Der DAX hat seit Oktober beeindruckende 19 % zugelegt, doch mit dem Beginn der klassischen "Sell in May"-Phase stehen Anleger vor einer traditionell schwächeren Marktperiode. Gleichzeitig belasten geopolitische Spannungen, insbesondere durch die neue Zollpolitik der USA unter Donald Trump, die Aktienmärkte. Es handelt sich hier nicht bloß um Wirtschaftspolitik, sondern um tiefgreifende geopolitische Verschiebungen.

Geopolitik statt Mediengeschrei: Was wirklich hinter den Zöllen steckt

Bevor wir in das Geschrei der Medien einstimmen, lohnt sich ein genauer Blick: Trump denkt Handel im Kontext nationaler Sicherheit. Wer militärischen Schutz durch die USA genießt, soll sich auch wirtschaftlich loyal verhalten. Ein Zollsystem mit „Good Guy“- und „Bad Guy“-Listen soll klare Grenzen setzen. Wer fair handelt, zahlt weniger – wer mit China kungelt, zahlt drauf. Diese Haltung ist kein kurzfristiger Reflex, sondern Ausdruck eines geopolitischen Strategiewechsels.

In meinen Augen wäre es sinnvoll, das transatlantische Verhältnis nicht als Konfrontation zu begreifen, sondern als familiäre Beziehung, die neu ausgehandelt werden muss. Leider versucht sich Europa momentan durch eine harte Haltung in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen – als ginge es um fremde Verhandlungspartner, nicht um Verbündete.

Kapitalstrom kehrt sich um: Auswirkungen auf DAX und S&P 500

Die angekündigten Autozölle von 25 % auf Importe in die USA haben bereits deutliche Reaktionen ausgelöst. Besonders betroffen waren europäische Automobilhersteller, obwohl diese Maßnahmen seit längerer Zeit erwartet wurden. Während der DAX unter Druck geriet, konnte der S&P 500 zulegen – ein klares Zeichen für die Umkehrung des Kapitalstroms von Europa zurück in die USA. Auch der Nikkei verzeichnete Verluste, der US-Dollar legte gegenüber dem Euro zu, und der Goldpreis erreichte ein neues Allzeithoch – ein Indiz dafür, dass Anleger weiterhin große Unsicherheiten sehen.

Das geopolitische Grand Finale steht bevor

Wir stehen am Anfang eines "Grand Finales" im geopolitischen Handelsstreit. Mit der Verkündung der Autozölle ist das Vorspiel beendet – nun folgen Eskalationsstufen, Verhandlungen, Reaktionen. Es ist nicht klar, wie sich Europa positionieren wird. Die USA haben ihre Erwartungen deutlich gemacht: Europa soll mehr beitragen – militärisch wie wirtschaftlich. Doch die europäische Reaktion wirkt pubertär, impulsiv und wenig koordiniert. Eine konzertierte Antwort ist aktuell schwer vorstellbar, insbesondere in Anbetracht der internen Herausforderungen innerhalb der EU.

In 6 Monaten stehen die Kurse höher

Der jüngste Kurseinbruch hinterlässt Spuren: Das Anlegersentiment notiert mit -4,6 im Extrembereich. Ab -4 spricht man von Angst und Panik – ein Zustand, der zu überstürzten Verkäufen führt und Abwärtstrends verstärkt. Auch die Selbstgefälligkeit und Zukunftserwartung sind tief im negativen Bereich, erste Absicherungen wurden jedoch bereits wieder aufgelöst. Die Stimmung dreht – aber ist das bereits der Boden?

Für solche Phasen eignet sich der animusX-5-Wochendurchschnitt hervorragend. Doch Vorsicht: Auch wenn die Kurse sechs Monate nach einem Extremwert bisher immer höher standen, ist das kein Freifahrtschein für sofortige Käufe. Die Stimmung kann sich weiter verschlechtern, ein bisschen schlimmer kann’s noch werden. Erst wenn der 5-Wochendurchschnitt selbst in den negativen Extrembereich abtaucht, wird es Zeit für massive Käufe.

Grafik der animusX-Sentimentanalyse mit deutlich negativem Ausschlag im 5-Wochendurchschnitt – Hinweis auf mögliche Bodenbildung an den Märkten.

Die Sentimentanalyse ist keine Kristallkugel, sondern eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie hilft dabei, das Timing zu verbessern – nicht perfekte Tiefpunkte vorherzusagen. Wer gar nicht investiert, riskiert, den Boden zu verpassen. Wer selektiv erste Positionen aufbaut, erhöht die Chance, von einer Trendwende zu profitieren.

Einzelne Marktreaktionen – wie der abrupte Richtungswechsel der Kapitalströme – deuten an, dass sich das Marktbild rasch verändern kann. Anleger sollten daher vorbereitet sein, wenn sich das Pendel wieder zurückbewegt. Weitere Details und vertiefende Analysen zu den politischen, wirtschaftlichen und markttechnischen Hintergründen finden Sie in der vollständigen Heibel-Ticker-Ausgabe.

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Stephan Heibel

Seit 1998 verfolge ich mit Begeisterung die US- und europäischen Aktienmärkte. Ich schreibe nun wöchentlich für mehr als 25.000 Leser über die Hintergründe des Aktienmarktes und die Ursachen von Kursbewegungen. Meine Leser schätzen meinen neutralen, simplen und unterhaltsamen Stil. Als Privatanleger nutzen sie meine Einschätzungen und Anlageideen, um ihr Portfolio unabhängig zu optimieren.

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